Georg Höhlig Erinnerungen

Hier ist ein Artikel zu Georg Höhlig aus den sächsischen Heimatblättern von 1926.

Georg Höhlig der Maler des Spiegelwaldgebietes

Dieses in vorstehenden Aufsätzen behandelte Gebiet unseres Erzgebirges, das seiner tiefen Talgründe, seiner herrlichen
Waldungen und seiner zahlreichen Bergkuppen und Bergrücken wegen, den Naturfreund besonders entzückt, hat auch seinen
Maler gefunden in Georg Höhlig aus Leipzig.

Seit 1913 kommt er fast regelmäßig dreimal im Jahre hierher, im Frühjahr zur Zeit der Baumblüte und des frischen
Maiengrünes, im Herbst, wenn die Natur in den leuchtendsten Farben erglüht und im Winter, wenn der Schnee dicht auf
Feld und Flur lagert und der Rauhfrost Baum und Strauch in geisterhafte Wesen wandelt. Und da malt er mit einem Eifer
und einer Freude, mit einer Ausdauer und einer Hingabe, die so manchen in Erstaunen versetzen.

Man spürt‘s: er ist Maler mit Leib und Seele; nichts macht ihm mehr Freude, als die herrlichen Landschaftsausschnitte,
die sein geübtes Auge immer und immer entdeckt, auf die Leinewand zu bannen. Wie der Vogel singen muss im Sonnenstrahl,
so muss er malen, was seinen Blick ergötzt. Nie fühlt er sich wohler als bei solcher Arbeit in Gottes schöner Natur.

Mehr als 1000 Bilder hat er in diesem Gebiet geschaffen und so geworben für die Schönheiten des Erzgebirges wie selten
einer; denn von diesen Bildern sind kaum noch ein Dutzend in seinem Besitze oder im Besitze seiner Schwester, solche
nämlich nur, von denen er sich „nicht trennen“ kann. Die anderen sind zerstreut in alle Welt; denn er gehört zu den
wenigen glücklichen Künstlern, denen man die Werke aus den Händen reißt.

Besonders angetan hat’s ihm das kleine „malerisch“ gelegene Waschleithe, in dem er sein Standquartier gewöhnlich
aufschlägt. Hier gibt es kaum ein Eckchen, kaum ein Häuschen, das nicht von Ihm gemalt worden ist. Ihm besonders liebe
Motive hat er fünf=, sechs=, und mehrmal gemalt, bis es ihm gelungen war. Alles das herauszuholen und zum Kunstwerk zu
formen, was die Natur an Schönem bot.

Seine Kunst zu würdigen, sei einem Berufeneren überlassen. Aber das sei noch gesagt: Seine Bilder sind einfach und
schlicht wie er selber.  Person und Werk stehen bei ihm in schönstem Einklang. Möglich das seine Gemälde auf den ersten
Blick als etwas zu hart und herb empfunden werden: sie atmen eben echte Erzgebirgsluft.

Je länger man sie aber betrachtet, desto vertrauter, desto lieber werden sie einem, und desto mehr vermögen sie einem zu
sagen. Daraus erklärt er sich wohl auch, dass einzelne Familien zwanzig und noch mehr Bilder von ihm besitzen und immer
wieder zu einem „Höhlig“ greifen, wenn es gilt einen Schmuck fürs traute Heim zu schaffen.

Wenn er nicht mehr in der großen Welt bekannt ist, so liegt der Grund dafür in ihm selbst; er ist von einer Zufriedenheit
und Bescheidenheit, wie sie kaum wieder anzutreffen sind.
Wer aber ein Stück „echtes“ Erzgebirge in seinem Heim haben will, der wende sich an ihn; er wird’s nicht bereuen, zumal
er auch zu Preisen verkauft, die erschwinglich sind auch für den kleinen Mann.

Herrbach

Georg Höhlig im Atelier

Georg Höhlig in seinem Atelier

Ich versuche die liebe Heimat im Bilde festzuhalten und erlebe dabei immer neue Freude.
Auch weiterhin hoffe ich unserer Heimat auf diese Weise dienen zu können. Georg Höhlig, Leipzig

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